Die erste große Unterredung mit der Kulturbranche seit ihrer Angelobung wird von Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer positiv bewertet. "Das Treffen hat gezeigt, dass es eine große Bandbreite von Fragen und auch Unsicherheiten gibt", so Mayer in einem Statement nach der Zusammenkunft mit rund 40 Branchenvertretern am Freitagnachmittag im Kulturministerium. Die Diskussion sei aber von gegenseitiger Wertschätzung getragen gewesen. Sie bedanke sich für eine offene, sachliche Diskussion. "Die Veranstalterinnen und Veranstalter wollen spielen, wir wollen dies ermöglichen. Ich bin optimistisch, dass wir es gemeinsam schaffen", so Mayer.

Die heute aufgekommenen Anregungen und Wünsche werde man nun in die Arbeit an der geplanten Verordnung über das Wochenende mitnehmen. Die Details der Verordnung für die Abhaltung von Veranstaltungen in den nächsten drei Monaten sollen dann "Anfang nächster Woche" präsentiert werden.

Branchentreffen mit viel Abstand
Branchentreffen mit viel Abstand © APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Der grundsätzliche Stufenplan hierfür steht bereits, sollen doch ab 29. Mai Indoor- wie Outdoor-Veranstaltungen mit bis zu 100 Besuchern möglich sein. Mit 1. Juli soll diese Grenze auf bis zu 250 Besucher und mit 1. August auf 500 respektive 1.000 Besucher bei Vorliegen eines speziellen Gesundheitskonzepts steigen. "Es ist klar, dass es bei diesem Grundgerüst Fragen gibt - und deshalb sind wir hier", so Mayer.

Zu dem Treffen im Kulturministerium waren neben Mayer und Kulturminister Werner Kogler (Grüne) Vertreter der Szene wie Franz Patay, Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien, Kultursommer-Semmering-Intendant Florian Krumpöck, der kürzlich einen offenen Brief der heimischen Festivalleiter initiiert hatte, oder Musikvereinschef Thomas Angyan erschienen

Kommentar

Heute schrieb man Tag 73 des Kultur-Lockdowns in Österreich. Angesichts dieser Zeitspanne sind die Aussagen, die Neo-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer vor einem Treffen mit der Branche tätigte, fast komisch. In Hinblick auf die Verordnung des Gesundheitsministeriums, die am Montag präsentiert werden soll, meinte sie, man müsse diese „mit Veranstaltern gemeinsam erstellen“. Und: „Der Vizekanzler und ich werden zuhören, wir wollen ganz genau wissen, was die Branche braucht.“

So sympathisch die Neue ist, zu ihrem Pech stieg sie zu, als das Gefährt schon länger im Schlamm steckte. Es scheint erst nach Wochen klar geworden zu sein, dass man auch einmal anschieben könnte.
Und dennoch lösen sich jetzt die Blockaden: Wie man aus der Branche hört, sei die Gesprächsatmosphäre verbessert, und dass sowohl Vizekanzler Werner Kogler als auch die Beamten aus dem Gesundheitsministerium, die die Verordnung schreiben, bei diesem Gedankenaustausch anwesend waren, ist ein positives Signal.
Am Montag ist Stichtag. Essentielle Details wie Maskenpflicht und Sitzordnungen werden dann endgültig festgelegt. Dann wird die Verordnung öffentlich gemacht. Keinen Tag zu früh. Es wird der 76. Tag des Lockdowns sein.

Martin Gasser