Österreich ist kein Land der Unternehmensgründer. Als zentrales Hindernis beim Schritt in die Selbstständigkeit werden Steuern, Abgaben und Bürokratie gesehen. Zumindest gaben das rund 97 Prozent der vom FH Joanneum befragten Personen bis 34 Jahren an. Aber auch "die Einstellung der Österreicher zum Unternehmertum" sei ein Hemmnis, so das Wirtschaftsministerium, das die Studie in Auftrag gab.

"Was die Gründungsneigung anbelangt ist Österreich im internationalen Vergleich gut positioniert. Das ist gut, kann aber noch besser werden", meinte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Dienstag in einer Aussendung. Dafür müssten auch die Rahmenbedingungen verbessert werden. In den Vergleichsländern Deutschland, Schweiz und Niederlande hätten beispielsweise nur etwa 40 Prozent der Befragten Bürokratie und Steuern als besonders bremsend kritisiert.

Risikoaversion ist hoch

Die Risikoaversion in der österreichischen Gesamtbevölkerung ist jedenfalls hoch - etwa 44 Prozent hätten Angst vor dem Scheitern. Bei jüngeren Menschen seien es nur rund 18 Prozent. Unternehmerisches Denken und kaufmännisches Wissen sollten laut Wirtschaftsministerium bereits in den Schulen gefördert bzw. aufgebaut werden. Gründerzentren an Hochschulen wären zu verstärken und international zu vernetzen.

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Um die Gründung einer Firma auch im ländlichen Raum zu erleichtern, wäre dort noch die Infrastruktur auszubauen - sowohl Breitbandinternet als auch Verkehrswege, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Ebenfalls wünschenswert wäre ein besserer Zugang zu Risikokapital bzw. alternativen Finanzierungsformen. Das bestehende umfangreiche Fördersystem sollte zudem leichter durchschaubar werden. Aber auch die Verfahren zur Unternehmensgründung müssten vereinfacht werden, so das Wirtschaftsministerium. Damit mehr Frauen ihre eigene Firma gründen könnten, wären mehr leistbare Kinderbetreuungseinrichtungen mit zeitlicher Flexibilität erforderlich. "Frauen sind weit weniger häufig unternehmerisch aktiv als Männer. Hier besteht Handlungsbedarf", betonte die Ministerin.

Derzeit erfolgen der Erhebung zufolge mehr als zwei Drittel der Gründungen im Gesundheits- und Sozialbereich, im Handel, im Tourismus sowie im Bau- und Dienstleistungssektor. Dabei handelt es sich meist um Ein-Personen-Unternehmen. Wesentlich mehr Jobs würden durch neue Unternehmen im Bereich Forschung, Technologie und Innovation (FTD) geschaffen. Auf diesen Bereich entfällt laut Studie derzeit aber nur ein Fünftel der Gründungen. Beschäftigungswachstum sei aber vor allem hier zu erwarten, "deshalb müssen wir gerade hier ansetzen", bekräftigte Schramböck.